Sozialnetz - pro Mensch: Ein Pilotprojekt für psychische Gesundheit
In Muotathal wurde der Verein Sozialnetz – pro Mensch gegründet. Diese Initiative zur Früherkennung von Depressionen wird vom Kanton als Pilotprojekt unterstützt.
Die Stimmung war heiter, das Thema ernst: An einer von 50 Personen besuchten Versammlung in Muotathal wurde am Donnerstag der Verein Sozialnetz – pro
Mensch gegründet, um Menschen mit Depressionen frühzeitig zu helfen. Die Bäuerin Helen Schelbert hatte im Rahmen des Regio Plus-Projekts «Üses Muotathal» die Initiative
ergriffen. Der neu gegründete Verein wird vom Muotathaler Altersheimleiter Guido Weissen präsidiert. Im Vorstand sind auch die Fürsorgepräsidenten der drei Gemeinden
Illgau, Muotathal und Morschach vertreten.
Wie belastend es für Familien ist, wenn der Vater oder die Mutter „plötzlich keine Kraft mehr haben“, hatte bereits eine sehr gut besuchte Informationsversammlung vor gut
einem Jahr gezeigt. Oft erkennen an Depressionen erkrankte Menschen zunächst nicht, dass sie unter einer behandelbaren Krankheit leiden. Bessere Orientierung ist nötig.
«Dieser Verein ist dazu da, um die Menschen zu stärken – was auch einen positiven wirtschaftlichen Impuls für die ganze Region bedeutet», betonte Pius Betschart, Leiter
einer Arbeitsgruppe von Regio Plus.
Der Verein Sozialnetz – pro Mensch möchte Betroffenen und ihren Angehörigen helfen. Ihre Situation soll in der Bevölkerung besser verstanden und akzeptiert werden. Konkret
sollen je eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen und eine Selbsthilfegruppe für Angehörige organisiert werden. Solche Gruppen bieten einen Ort, um sich
auszusprechen und gegenseitig zu stützen. Weiter kann ab Januar 2009 eine annonyme Telefonberatung genutzt werden. Zudem ist eine Ausbildung zur Problematik und
Früherkennung von Depressionen geplant. Sie heisst Multiplikatorenbildung und ist „eine Art Samariterausbildung für psychische Gesundheit“.
Diese Initiative aus den Gemeinden Illgau, Muotathal und Morschach könnte als Handlungsmodell für andere Teile des Kantons Schwyz dienen. «Der Kanton unterstützt den
Verein für die kommenden drei Jahre als Pilotprojekt und übernimmt auch einen Teil der Finanzierung», erklärt Evelyne Reich, Vorsteherin des kantonalen Amtes für
Gesundheit und Soziales auf Anfrage. Aus der Sicht des Kantons sei die Ausgangslage ideal: «Die Initiative für den Verein Sozialnetz – pro Mensch ist aus der Bevölkerung
hervorgegangen und mit den bestehenden Strukturen gut vernetzt.» Dies zeige sich auch darin, dass Vertreter von allen drei Gemeinden in der Projektgruppe mitarbeiteten.
Das Sozialnetz kann vom Kanton finanzierte Angebote nutzten. So stellt «gesundheit schwyz» dem neuen Verein eine Projektbegleitung zur Verfügung. Die Fachstelle für
Gesundheitsförderung und Prävention in Goldau führt damit einen Leistungsauftrag des Kantons aus. Die gesamten Projektkosten betragen 80000 Franken für drei Jahre. Der
Kanton trägt davon rund 50000 Franken im Rahmen des Leistungsauftrags an «gesundheit schwyz». Für einen weiteren Beitrag an das Projekt wurde ein Gesuch an
«Gesundheitsförderung Schweiz» eingereicht.
Wie gross das Interesse am Sozialnetz – pro Mensch ist, zeigte auch die Teilnahme von Personen aus dem Talkessel Schwyz an der Versammlung. Der Verein ist zwar speziell
für das Gebiet Illgau-Muotathal-Morschach gegründet worden, bleibt aber auch für Interessierte aus anderen Gemeinden offen.
(cjw, 12.12.2008)
Angebote
- Anonyme Telefonberatung
- Selbsthilfegruppen für Betroffene
- Selbsthilfegruppe für Angehörige
- Multiplikatorenbildung
Weitere Angaben entnehmen Sie bitte dem aktuellen Flyer von sozialnetz pro mensch.



