Wie wird Illgau in 20 Jahren aussehen?
Portrait eines jungen Illgauers vor der Zukunftskonferenz
Vor der Zukunftskonferenz am nächsten Donnerstag spricht Philipp Bürgler,
ein junger Illgauer, über seine Träume und Wünsche für das Bergdorf.
Auf der Sonnenterrasse zwischen Fallenfluh und Hessisbohler First lässt sich gut leben. Und doch fragen sich etliche Illgauer: Was wird in 20 Jahren
sein? Am nächsten Donnerstag, 10. April ab 19 Uhr, sind alle Einwohner im Zentrum Ilge zur Zukunftskonferenz geladen. Die vom Regio Plus-Projekt «Üses Muotital»
organisierte Veranstaltung wird danach am 1. und 16. Mai weitergeführt. Die Gemeinde finanziert den Anlass mit.
Auch Philipp Bürgler hat schon mit Kollegen über die Entwicklung des Bergdorfs diskutiert. Der 21-jährige Pflegefachmann ist vielseitig. Er kann Feuer speien und schlucken
wie sein Vater, «Fakir Rodani» Beat Bürgler. Er spielt Trompete bei der Feldmusik, ist Samariter und Feuerwehrmann. An der Sennenkilbi hat er sieben humoristische
«Stückli» inszeniert. Ihr wichtigstes Fest, die Sennenkilbi, feiern die Illgauer ausgerechnet während der Fasnacht. Damit man nicht ganz unter sich bleibt, laden die
Jungen Sennenmaitli von auswärts zum Tanz ein. Die Illgauer haben Bräuche bewahrt, die anderswo schon schon längst vergessen sind. «Die Volkskultur soll noch lange
weiterleben, dafür setze ich mich ein», sagt Philipp Bürgler. Er wünscht sich eine Gemeinde, die ihre ursprüngliche, ländliche Lebensqualität bewahrt, ohne die
Herausforderungen der Zukunft zu verpassen.
Philipp Bürgler, junger Illgauer mit Ideen für die Zukunft
Philipp Bürgler arbeitet im Spital Schwyz, fährt mit dem Auto nach «draussen» zur Arbeit, wie viele andere. Aber auch im Bergdorf selbst sollten noch
mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, meint er. Eine Chance sieht er im naturnahen Tourismus, wo bereits heute Angebote bestehen. Er fragt sich, wie der öffentliche
Verkehr noch stärker gefördert werden könnte. Heute steigen die Illgauer bei der Haltestelle Ried auf die Seilbahn um, um in ihr Dorf zu gelangen «Vielleicht könnte die
Buslinie von Schwyz zeitweise nach Illgau hinauf verlängert werden – eventuell verknüpft mit einer Linie auf die Ibergeregg?»
Das Dorf hat sich baulich verändert – und nicht alles weckt seine Begeisterung. «Man spürt nicht mehr so viel Freiraum wie früher.» Als Schüler traf er sich mit anderen
beim Büelbänkli, um heimlich eine Pfeife zu rauchen oder die schönste Aussicht aufs Dorf zu geniessen. Das Büelbänkli musste einer Überbauung weichen. Halbwegs Ersatz
bietet das Pfylebänkli. Von dort oben kann man die Veränderungen deutlich feststellen, zum Beispiel die Bauten auf der Sennmatte und auf der Lindenmatt. «Die Landreservern
sind eher knapp, deswegen wird man grundsätzlich eher Mehrfamilienhäuser bauen müssen. Ich selber brauche nicht mein eigenen Häuschen, das vermindert ja auch die
Mobilität.» Mindestens für ein halbes Jahr möchte er nach Bolivien reisen, um im Gesundheitswesen zu arbeiten.
Wo sollen künftig die Menschen leben, die im Alter Betreuung brauchen? Das Bergdorf mit seinen 792 Einwohnern wird ein eigenes Altersheim brauchen, damit die Leute im
hohen Alter nicht wegziehen müssen – vermutet Philipp Bürgler. Als Mitglied des Samaritervereins und der Feuerwehr setzt sich der Pflegefachmann für Verbesserungen bei der
medizinischen Versorgung ein. So sollen Samariter via Feuerwehr-Pager informiert werden, wenn eine gesundheitliche Notlage auftritt. «Es dauert rund 20 Minuten, bis
der Rettungsdienst das Dorf erreicht – bei einem Herzinfarkt könnte diese Frist zu lang sein.» Es wäre auch gut, einen Arzt im Dorf zu haben.
Für Auswärtige mag Illgau wie eine verschworene Dorfgemeinschaft erscheinen. Aber Philipp Bürgler fährt auch gerne nach Schwyz oder Brunnen, um zu feiern. Wenn ihm eine
gute Fee noch drei Wünsche gewähren würde, müsste er nicht lange sinnieren: «Illgau braucht auch ein Pub, wo sich die Jungen treffen können. Neben dem Sigristenhaus
wünsche ich mir ein weiteres Restaurant, am besten eine Gartenwirtschaft.» Und am Sonntag würde er gern bei einer örtlichen Bäckerei frische Gipfeli kaufen.
Am Donnerstag, dem ersten Anlass der Zukunftskonferenz, geht es ums «Puls fühlen». Zur Sprache kommen die positiven Erfahrungen, der Frust und die Herausforderungen, mit
denen die Illgauer leben. «Mal sehen, was die Sache bringt», sagt Philipp Bürgler erwartungsvoll. Am Donnerstag kann er allerdings nicht dabei sein. Er begleitet
eine Gruppe von Pilgern nach Lourdes.
«Früher gab’s mehr Freiraum». Vom Pfylebänkli schaut der junge Illgauer Philipp Bürgler auf sein Heimatdorf.
07.04.2008 / Carl J. Wiget





